Die Geschichte hinter der Zuckerstange

Sie ist meist wie der Griff eines Regenschirmes gebogen und strahlt in den klassischen Farben rot und weiß. Sie ist nicht weich wie ein Bonbon, sondern etwas härter. In den USA wird sie gerne an den Weihnachtsbaum gehängt und schmückt so manchen Süßigkeitenladen: Die Zuckerstange. Doch wer hat´s erfunden? Nein, nicht die Schweizer…

Eine Kinderbuchlegende?

Laut den Amerikanern stammt die „Candy Cane“ natürlich aus den USA. Und auch ein Kinderbuch lässt einen freundlichen, älteren Inhaber eines Süßwarengeschäftes als den wahren Erfinder dastehen. Doch stimmt dies überhaupt? Erfand ein Süßwarenhändler die rot-weiße Zuckerstange, weil er seiner Enkeltochter etwas Besonderes zu Weihnachten schenken wollte? Laut der Legende wollte der ältere Herr eine individuelle Süßigkeit erfinden, die zudem einen religiösen Charakter beinhaltet. Der pfiffige Süßwarenhändler wurde demnach bei der Produktion von der Geburt Jesus Christus  inspiriert. Die Form der Zuckerstange erinnert an einen gebogenen Wanderstock der Schafhirten. Da Jesus Christus auch als „der Gute Hirte“ bezeichnet wird, erhielt die Zuckerstange eine ganz besondere Symbolkraft. Dreht man die Zuckerstange um, entsteht zudem ein „J“. Dieser Anfangsbuchstabe steht, so die Autoren des Kinderbuches, ebenfalls symbolisch für Jesus Christus.

In der Form der Zuckerstange steckt religiöse Symbolkraft. So erinnert die Form an einen Hirtenstab und Jesus Christus als „Guter Hirte“

Doch wieviel Wahrheit steckt hinter der Legende des kundigen Süßwarenhändlers? Hat ein Amerikaner die süße Leckerei erfunden? So ganz stimmt diese Geschichte nicht, denn die Zuckerstange stammt ursprünglich aus dem Land der Elche und Vikinger, nämlich aus Schweden. Erfunden hat sie eine Witwe aus dem südschwedischen Gränna.

Die wahre Geschichte hinter dem gebogenen Bonbon…

Schenkt man dem wahren Ursprung Glauben, so hat die Zuckerstange eine Frau erfunden. Die Schwedin Amalia Eriksson wurde früh Witwe und stand mit ihrer Tochter vor dem Nichts. Um den Lebensunterhalt zu bestreiten, stellte Amalia verschiedene Bonbons in ihrer Küche her und verkaufte diese auf Veranstaltungen und Märkten. Darunter waren auch die heute bekannten Zuckerstangen, die im schwedischen als Polkagris bekannt sind. Anfangs war es der alleinerziehenden Mutter als Frau jedoch gesetzlich verboten, eigenmächtig Süßwaren herzustellen. So wandte sie sich direkt an den damaligen König, welcher der Produktion letztlich zustimmte. Von da an durfte Amalia die Zuckerstangen offiziell produzieren und die Nachfrage stieg stetig an.

Damit ist die Frage letztendlich noch nicht geklärt, wem die Zuckerstange die Form verdankt. Die oben beschriebene Legende könnte hier doch einen Funken an Wahrheit beinhalten. So soll der Ursprung der Zuckerstange in Köln des 17.Jahrhunderts liegen. Ein Chorleiter aus dem alten Kölner Dom ärgerte sich demnach über zu laute Kinder in der vorweihnachtlichen Abendmesse. Um die kleinen Störenfriede ruhig zu halten, sollten Süßigkeiten verteilt werden. Doch Süßigkeiten in der Kirche stellten ein Sakrileg dar. Der pfiffige Chorleiter ließ daraufhin gebogenen Bonbons von einem Kölner Bonbonmacher herstellen und verteilte diese an die Kinder in der Messe. Um die Kirche nicht zu verärgern, erhielt die Zuckerstange ihr typisches Äußeres in Form eines „J“. So brachte man auch hier den Hirtenstab als heiliges Symbol ins Spiel. Die Zuckerstange selbst ist weiß und steht für die Reinheit Jesus Christus. Die roten Linien symbolisieren den Leidensweg und das Blut Christi.

Bereits im mittelalterlichen Köln soll die Zuckerstange ihren Ursprung haben.

Ob sich auch Amalia Eriksson von dieser Legende inspirieren ließ, bleibt ein ungelöstes Rätsel. Wahr ist hingegen, dass die Zuckerstange ihren Weg mittels schwedischer Auswanderer nach Amerika fand. Hier war man von der süßen Nascherei besonders angetan und nutzte die „Candy Cane“ sogar als Dekoration für die Weihnachtsbäume. Eine Tradition, die auch heute noch gelebte Praxis ist. Was also wirklich hinter der Geschichte der Zuckerstange steckt, bleibt ein süßes Geheimnis. Die religiöse Symbolkraft bleibt hingegen nicht zu übersehen, weshalb hier vielleicht doch ein kleiner Funken Wahrheit drin steckt.

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